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Von Kompetenz zu Unterricht: Didaktischer Transfer für Sek II

Wie können Lehrkräfte Unterricht an Gymnasien und Berufsmaturitätsschulen kompetenzorientiert, innovativ und digital planen? In dieser Episode tauchen wir in Modelle wie DigCompEdu, TPACK und das zyklische Kompetenzentwicklungsmodell ein, um den didaktischen Transfer in der Praxis zu beleuchten.

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Chapter 1

Kompetenzmodelle und der Wandel der Lehrerrolle

Claudia Becker

Herzlich willkommen zurück zu Dida 1 – Didaktik auf Sekundarstufe 2! Ich bin Claudia, und heute geht's darum, wie wir als Lehrkräfte den Sprung von Kompetenzmodellen zum anwendungsorientierten Unterricht schaffen – und das kompetenzorientiert und digital, wie es sich für die Sek II gehört. Mit dabei sind heute wieder Emily und Lea. Hi, ihr zwei!

Emily Lawson

Hallo! Ich freu mich schon riesig, heute tiefer einzutauchen, denn das Thema ist echt entscheidend für die Praxis – und ja, wie diese ganzen Modelle wie DigCompEdu oder TPACK dann wirklich ankommen.

Lea Zimmermann

Hi zusammen! Und ich liebe es, wie wir heute auch auf das zyklische Kompetenzentwicklungsmodell von Kirschner schauen – das gibt dem Ganzen ja nochmal so richtig Struktur für unseren Lehralltag.

Claudia Becker

Genau! Vielleicht steigen wir mal mit einer kleinen Übersicht ein. Wir haben ja mittlerweile verschiedene Kompetenzmodelle, die mega wichtig sind für die Lehrerbildung – DigCompEdu von der EU, TPACK als theoretischer Rahmen und eben dieses zyklische Kompetenzentwicklungsmodell. Jedes Modell adressiert andere Schwerpunkte. DigCompEdu bezieht sich ganz stark auf digitale Kompetenzen und gibt mit sechs Kompetenzbereichen sehr praktische Anleitungen. Emily, du kennst das ziemlich gut aus dem eigenen Unterricht, oder?

Emily Lawson

Oh ja, total! Was mir daran gefällt, ist diese Selbstcheck-Orientierung – du kannst mit diesen Tools wie dem DigCompEdu CheckIn wirklich mal ehrlich schauen: Wo stehe ich mit meinen digitalen Kompetenzen? Und du bekommst Feedback, das dich direkt weiterbringt. Das ist in England gar nicht so verbreitet, aber ich find das echt nützlich, gerade wenn man unterschiedliche Digitalkompetenz im Lehrerzimmer hat.

Lea Zimmermann

Und TPACK pickt sich wieder ein anderes Problem raus: Da geht's vor allem um das Zusammenspiel von Technik, Pädagogik und Fachwissen. Das ist super für die Planung, weil man gezwungen wird, alles mal zusammenzudenken. Aber ich muss sagen, in der Umsetzung ist das manchmal... na ja, also ich find’s nicht so leicht, TPACK so ganz konkret an einen Stundenentwurf zu knüpfen. Claudia, du hast bestimmt auch diese Erfahrung gemacht?

Claudia Becker

Absolut, Lea. Gerade am Anfang meiner Lehr-Laufbahn hab ich, ehrlich gesagt, vor allem Fachwissen rauf und runter gepaukt. Für mich war die Rolle als Lehrerin lang die klassische: vorne stehen, Wissen vermitteln – genau dieses „Sage on the Stage“. Ich erinnere mich noch, das war in einer meiner ersten Wirtschaft-&-Recht-Klassen... Ich war super vorbereitet, aber dann hab ich das erste Mal konsequent digitale Tools eingesetzt. Und plötzlich – ich schwör’s euch – haben die Schüler:innen viel eigenständiger gearbeitet, als ich das je erwartet hätte. Das hat mein ganzes Bild vom Lehren ins Wanken gebracht. Plötzlich hab ich mich mehr als „Orchestratorin“ gefühlt. Ich hab gemerkt: Okay, es reicht nicht, nur „Wissen abzufeuern.“ Ich muss den Lernprozess gestalten und begleiten, viel offener, und muss zulassen, dass die Schüler:innen auch mal Umwege gehen.

Emily Lawson

Und dieser Wandel ist doch auch das, was heute so stark betont wird, oder? Ich mein, wir sprechen von „Guide on the Side“, manchmal sogar von „Orchestrator“. Da steckt für mich drin: Lehrende sind mehr als Moderatoren – und die Rolle umfasst eben das Raum geben für Eigenständigkeit, aber auch gezielte Impulse geben. Ich glaube echt, dass gerade die Digitalisierung diesen Wandel nochmal krass verstärkt hat. Die Kids bringen so viele Vorkenntnisse aus dem digitalen Alltag mit, da kann man sich nicht mehr auf pure Fachvermittlung rausreden.

Lea Zimmermann

Ich frag mich da manchmal, ob wir zu oft glauben, alles müsse immer gleich „digital super animiert“ sein. Ich glaub, das Entscheidende ist, dass wir, wie Claudia sagt, Gestalterinnen von Lernumgebungen sind. Das Modell von Kirschner mit seinem zyklischen Ansatz hilft, diesen Wandel praktisch zu denken: Informationssammlung, Analyse, Umsetzung, Evaluation – und das immer wieder, statt einmal und fertig. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf Entwicklung und Reflexion. Also ja, die Rolle ist ein Mix aus vieles: Orchestratorin, Lernprozessdesignerin, und manchmal halt auch noch Fach-Expertin.

Claudia Becker

Genau. Und das Schöne ist ja, dass die Kompetenzmodelle uns den Rahmen geben, aber wie wir das füllen, das liegt am Ende immer noch an uns und unseren jeweiligen Lernenden.

Chapter 2

Didaktische Unterrichtsplanung: Phasenmodell, Analyse und Alignment

Claudia Becker

Wenn wir jetzt tiefer in die Planung gehen, gibt’s ja im Skript diesen Planungszyklus als Herzstück: Gather Information, Analyze/Diagnose, Determine, Carry Out, Evaluate. Der Transfer aus der Theorie ist: Wir müssen unsere Unterrichtseinheit vom Bildungskontext her denken – also: Unterschied gymnasiale Maturität und Berufsmaturität, dann Lernziele, Methoden, Assessment. Lea, du beschäftigst dich doch gerade viel mit Zielgruppenanalyse, stimmt’s?

Lea Zimmermann

Ja, total! Und ich find’s faszinierend, wie unterschiedlich die Voraussetzungen und Erwartungen sind. Bei den Gymnasialen will man oft Selbstständigkeit und ein gewisses Abstraktionsniveau fördern, während die Berufsmaturität viel praxisorientierter ist. Bei der Planung frage ich mich zuerst: Welche Lebensrealität bringen die Lernenden mit? Haben sie schon Berufserfahrung, sind sie mehr im schulischen Denken drin? Und darauf bau ich die nächsten Schritte auf – also Lernziele, Methodik und wie man das überprüfbar macht.

Emily Lawson

Das ist für mich der Knackpunkt. Ich arbeite super gern mit Checklisten und Leitfragen, ehrlich gesagt. Ich hab mal eine entwickelt, die hilft mir inzwischen total, um diese ganzen Alignment-Fragen nicht zu verlieren. So in der Richtung: „Sind die Lernziele klar?“, „Passen die Methoden dazu?“ und „Wie beurteile ich am Ende das, was wirklich gelernt wurde?“ Claudia, nutzt du ähnliche Checklisten in deiner Planungsroutine?

Claudia Becker

Ja, ich liebe Checklisten – und ich bin auch ein Fan von Leitfragen, die wirklich auf den Punkt bringen, worauf es ankommt: Welche Kompetenzen wollen wir in Wirtschaft & Recht wirklich fördern? Ist das auf Fach- oder überfachlicher Ebene? Und die Anderson & Krathwohl Taxonomie… Ich mein, das hört sich trocken an, aber das gibt richtig viel Struktur. „Lernende sollen etwas anwenden, analysieren, bewerten…“ und nicht einfach nur wiedergeben. Da kann man wunderbar die passenden Methoden dranhängen – von der Thinking Map bis zum Fallbeispiel.

Lea Zimmermann

Thinking Maps find ich so unterschätzt! Die helfen den Schüler:innen, komplexe Strukturen zu visualisieren oder Dinge zu vergleichen – zum Beispiel Wirtschaftskreislauf versus Unternehmensführung. Oder beim ICAP-Modell, da kannst du überlegen: Wie bringe ich meine Lerngruppe von passivem Aufnehmen ins aktive, konstruktive oder sogar interaktive Engagement? Das strukturiert die Planung zusätzlich.

Emily Lawson

Absolut – und ich benutze in Wirtschaft & Recht immer wieder Problemorientierung: Also nicht einfach „Was ist eine Aktiengesellschaft?“, sondern „Stellt euch vor, ihr müsstet ein Unternehmen gründen – welche Rechtsform wählt ihr und warum?“ Dadurch fordern wir nicht nur Fachwissen, sondern fördern auch Problemlösefähigkeiten und kritisches Denken.

Claudia Becker

Und konstruktives Alignment, das ist ja quasi das Qualitäts-Gewissen in der Planung. Passt alles zusammen – Lernziel, Methode, Assessment und die Digitaltools? Sicher nicht immer beim ersten Wurf, aber wenn da was nicht stimmig ist, merkt man es spätestens im Unterricht. Ich kontrolliere das meistens nochmal am Tag vor der Stunde, Stück für Stück.

Emily Lawson

Oder auch unterwegs – im Sinne von „Reflexion-in-action“, wie wir letztes Mal besprochen haben! Wenn etwas nicht aufgeht, dann ist es total okay, nochmal zu sagen: „Moment, das ist nicht konstruktiv aligned – ich muss spontan was ändern.“

Lea Zimmermann

Genau, und man wächst da echt rein. Mir hat außerdem geholfen, mir von erfahrenen Kolleginnen wie Claudia Zweitmeinungen zu holen, ob Checklisten oder Zieldefinitionen wirklich stimmig sind. Ich würde sagen, da entwickelt man mit der Zeit so eine Art „didaktisches Bauchgefühl“, aber am Anfang braucht es einfach Klarheit und Struktur durch solche Tools. Und nicht zu vergessen: Digitale Tools und KI können extrem beim Alignment unterstützen, aber sie ersetzen nicht die eigentliche pädagogische Entscheidung, wie wir eben gesehen haben.

Claudia Becker

Super Punkt. Also am Ende ist’s dieses Zusammenspiel aus Theorie – klare Modelle – und der ehrlichen Reflexion, was wirklich zur eigenen Klasse passt.

Chapter 3

Digitalisierung, Scaffolding und Assessment: Integration und Reflexion

Emily Lawson

Und jetzt – das ist wirklich einer meiner Lieblingsbereiche – wie gelingt die Integration von digitalen Medien und KI-Tools in einen kompetenzorientierten Unterricht? Sprechen wir also über Best Practices, Scaffolding und Assessment! Claudia, du hast vorhin das DigCompEdu-CheckIn schon angesprochen. Wie nutzt du es inzwischen?

Claudia Becker

Mir hilft das zur eigenen Standortbestimmung, aber auch bei Kolleg:innen. Das Tool fragt sehr praktisch danach: Wo stehe ich, was das Bewerten von digitalen Ressourcen angeht? Nutze ich KI, aber auch mit Datenschutz im Hinterkopf und Pädagogik im Herzen? Für mich ist das wie so eine Art digitaler Kompass.

Lea Zimmermann

Ich kann das voll bestätigen. Ich hab in meinem Versuchsunterricht mal ein adaptives KI-Tool für die Lernbegleitung eingesetzt. Ziel war, die Lernenden dort zu unterstützen, wo’s klemmt – und ansonsten loslassen. Dabei helfen Scaffolding-Konzepte ungemein! Wir denken ja oft an Scaffolding als reine Hilfestellung, aber das ist so facettenreich: Konzeptuelle Scaffolds, wie Visualisierungen, metakognitive Scaffolds wie Checklisten oder Reflexions-Prompts, strategische Scaffolds für Problemlösen und auch motivationale. Und mit KI kannst du das noch stärker individualisieren.

Emily Lawson

Das klingt spannend! Und wie hast du, Lea, das formative Assessment in diesem Setup umgesetzt?

Lea Zimmermann

Ich hab Rubrics entwickelt – also Bewertungsraster nach genau definierten Kriterien, die sowohl fachliche Tiefe wie überfachliches Engagement abdecken: zum Beispiel, wie sie recherchieren, reflektieren, das KI-Feedback aufnehmen. Und die adaptive Komponente war das Entscheidende – die Lernenden bekamen individuelles Feedback, je nachdem, wo sie gerade standen. Da war gar nicht immer die Note im Vordergrund, sondern wie sie sich mit dem Fehler als Lernchance auseinandersetzen, was ja auch das Growth Mindset fördert.

Claudia Becker

Das beobachte ich auch – und das ist super, wie Scaffolding und Assessment Hand in Hand gehen. Die KI liefert sofort individuelle Hinweise, aber es braucht dennoch uns Lehrkräfte, die das reflektieren. Fading, also den Support langsam zurückziehen, ist dabei echt eine Kunst. Das Ziel ist die Übernahme von Verantwortung durch die Lernenden selbst. Besonders spannend finde ich Accountable Talk®, also gezielte Gesprächsführung im Unterricht, auch in digitalen Settings, um kognitive Tiefe und eine Diskussionskultur zu stärken.

Emily Lawson

Eigentlich wäre das auch für klassische Settings dringend mal wichtiger – aber mit digitalen Medien kommt's fast automatisch: Die Lernenden müssen überprüfen, argumentieren, kritisieren, auch mal eine KI-Quelle anzweifeln. Das bringt neuen Drive rein!

Lea Zimmermann

Und da schließt sich der Kreis: Mit digitalen Tools und gutem Scaffolding sind formative Assessments wirklich personalisiert möglich. Aber ehrliches Feedback, Reflexion und Evaluation bleiben menschlich – egal wie viel KI-System dahinter steckt! Deshalb: Didaktischer Transfer und Digitalisierung sind ein Tandem, aber die Professionalität entwickelt man Schritt für Schritt und gemeinsam mit den Lernenden.

Claudia Becker

Ich denke, das ist ein schöner Schlusspunkt. Die didaktische Qualität wächst am besten im Zusammenspiel aus klaren Modellen, guter Planung, reflektiertem digitalen Einsatz – und der Bereitschaft, als Lehrkraft nicht alles wissen zu müssen, sondern gemeinsam mit den Lernenden unterwegs zu bleiben. Emily, Lea – danke für eure tollen Einblicke!

Emily Lawson

Danke euch beiden, das war wie immer klasse – und für alle, die zuhören: Bleibt neugierig, probiert mutig Neues aus, und denkt dran, Reflexion heißt nicht nur zurückschauen, sondern auch vorausschauen!

Lea Zimmermann

Danke Emily, danke Claudia – und bis zur nächsten Folge, in der wir sicher wieder ein spannendes Stück „Didaktik Next Level“ erkunden. Machts gut und bis bald!

Claudia Becker

Tschüss zusammen und bleibt transferfreudig – bis zur nächsten Episode von Dida 1!